German
English

Zeittafel zur Geschichte des Schlosses Sandizell / Obb. Anno 948 - 2010

Das Wasserschloss von Sandizell gilt als der bedeutendste Profanbau im Schrobenhausener Land. Es ist der Stammsitz des gleichnamigen, zum ersten Mal im Jahr 948 genannten Adelsgeschlechts, das 1790 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Die heutigen Besitzer des Schlosses sind je zur Hälfte die Brüder Nikolaus und Tassilo Grafen von und zu Sandizell, sowie Dr. Horst-Florian Jaeck.

Im 30-jährigen Krieg brannten die Schweden das damalige Renaissanceschloss bis auf den noch heute bestehenden Ostflügel ab. Zunächst konnte es nur in bescheidenem Ausmaß restauriert werden. Weltgeschichte wurde hier am 8. August 1704 geschrieben. Damals hielten die zwei herausragenden Feldherren der Zeit, Herzog John Marlborough und Prinz Eugen von Savoyen im Schloss Sandizell Kriegsrat. Fünf Tage später leitete die berühmte Schlacht bei Höchstädt eine weltpolitische Wende ein: Frankreichs Hegemonie in Europa wird beendet und Englands Aufstieg zur Weltmacht beginnt. Freiherr Max Emanuel von und zu Sandizell (1702-1778), der u.a. Kommandant von Ingolstadt war, konnte dem Familiensitz wieder neuen Glanz verleihen. Er ließ ab 1735 die zugehörige Hofmarkskirche neu erbauen und von hervorragenden Künstlern ausstatten. So gehen die Altäre auf Egid Quirin Asam zurück und machen aus dem Gotteshaus ein Kleinod des altbayerischen Rokoko.

Von 1749 an erhielt dann auch das Schloss seine endgültige, dem Rokoko entsprechende Gestalt. Diese beiden überregional bedeutsamen Denkmäler bilden mit den umliegenden Nebengebäuden und dem Park auch heute noch ein herrliches Ensemble.

Nachdem Sandizell seinen Eigentümern stets als Sommersitz und Rahmen für glänzende Feste, große Jagden oder anregenden Gedankenaustausch diente, war es durch den volksverbundenen Grafen Carl Max, selbst ein erfolgreicher Ralleyfahrer, bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts auch ein Treffpunkt des internationalen Automobilsports.

Schon in den letzten Jahrzehnten öffnete der idyllisch gelegene Herrensitz, etwa anlässlich festlicher Konzerte, die von Marie Elisabeth Jaeck und Paula Gräfin Sandizell bis 1986 veranstaltet wurden, immer wieder seine Tore für die interessierte Öffentlichkeit. Die gastliche Tradition des Hauses soll nun im verstärkten Maße fortgeführt werden.